Overview

Ein katholisches Jugendlager mitten in Schwaben. Ein fragwürdiges Lied lässt am Lagerfeuer eine Diskussion entbrennen.

  • Runtime: 11 minutes 33 seconds
  • Project Title (Original Language): Vorlager ist in Kuba
  • Category: Documentary Short Films
  • Project type: Documentary, Student, Short
  • Genres: Keine Angabe
  • Completion Date: July 31, 2019
  • Country of Origin: Germany
  • Country of Filming: Germany
  • Language: German
  • Aspect Ratio: 16 : 9
  • Film Color: Color
Johannes Krug

Director Biography - Johannes Krug

Johannes Krug ist ein preisgekrönter junger deutscher Filmemacher. Nach einem Auslandsjahr in Ghana und einem Bachelorstudium der Audiovisuellen Medien an der Hochschule der Medien Stuttgart, studiert er derzeit Regie, mit der Spezialisierung Dokumentarfilm an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Sein dokumentarischer Schwerpunkt beeinflusst auch seine Herangehensweise an fiktionale Projekte. Er ist verheiratet mit der ghanaischen Pädagogin und Modedesignerin Irene Selorm Abiti. 2019 wurde sein in Ghana spielender Serienpilot DIVINE419 unter anderem mit dem Baden-Württembergischen Filmpreis ausgezeichnet.

Filmografie:

  • ‚DIVINE419 – HAWKERS HUSTLE‘ 2019, Serienpilot, 35 min
  • ‚Vorlager ist in Kuba‘ 2019, Dokumentarfilm, 12 min
  • ‚Forst Först‘ 2019, Dokumentarfilm, 26 min
  • ‚WIR SIND FRIEDLICH, WAS SEID IHR?‘ 2018, Kurzfilm, 9 min
  • ‚ICTUS‘ 2018, experimenteller Kurzfilm, 3 min
  • ‚Afro Shop‘ 2017, dreiteilige Dokuserie, jeweils 8-9 min
  • ‚GHERMANYA – GERMANY in GHANA‘ 2016, Dokumentarfilm, 84 min

Directors Statement

Als Kind und Jugendlicher war ich Ministrant. In den Ferien war ich deshalb von klein auf immer bei Zeltlagern unserer Kirchengemeinde dabei. Eine Woche mitten in der Natur, ohne Strom und fließendes Wasser, mit Feuerholz aus dem angrenzendem Wald. Erfahrungen, die ich nicht missen möchte und die auf viele Arten prägend waren. Naturerlebnis, Gemeinschaft, Spaß und Action.
Doch die scheinbare Idylle hat auch ihre Schattenseiten. Unter anderem in Form eines rassistischen Lagerfeuerliedes und weiterer fragwürdiger Traditionen
Mit 16 wurde man automatisch Betreuer. Die 10-jährigen Kinder, die ich damals mit 18 betreute sind heute selbst erwachsene Betreuer. Traditionen und Gebräuche werden somit unhinterfragt von Generation zu Generation weitergegeben.
Mit dem Film konfrontierte ich endlich einen Teil meiner eigenen rassistischen Sozialisierung – von Generation zu Generation weitergegebene Traditionen, für deren Fortbestand ich selbst mitverantwortlich war. In meiner Kindheit sang ich jedes Jahr im Ministrantenzeltlager ‘N****aufstand ist in Kuba’, es war sogar mein Lieblingslagerfeuerlied. Und auch als ich später in meiner Jugend langsam begann den rassistischen Liedinhalt zu verstehen, unternahm ich nichts dagegen, obwohl ich mittlerweile selbst Betreuer im Zeltlager war und somit auch die Möglichkeit gehabt hätte etwas zu verändern. 7 Jahre später holte mich nun dieses Versäumnis ein, die Kinder von damals, die von mir das Lied gelernt hatten waren nun dieselben, die es an die neue Generation weitertrugen. Es war naiv von mir gewesen zu glauben, das Problem hätte sich mittlerweile von selbst gelöst. Als ich nun in mein altes Zeltlager zurück kehrte um einen improvisierten fiktionalen Kurzfilm im dokumentarischen Setting über einen hängengebliebenen Alkoholiker zu drehen und ich wieder dieses Lied hörte, triggerte mich das so stark, dass ich endlich den Mut dazu fasste das Thema anzusprechen. Die daraus resultierende Diskussion am Lagerfeuer wurde zum Kernstück des Filmes ‘Vorlager ist in Kuba’. Nach der offenen und ehrlichen Diskussion bin ich optimistisch, dass unser Austausch dazu geführt hat in besagtem Zeltlager Traditionen nicht mehr ohne kritische Auseinandersetzung weiterzugeben. Ich hoffe, dass der Film in Zukunft auch bei anderen Gruppierungen mit ähnlichen Strukturen und Traditionen einen kleinen Beitrag zu längst überfälligen Veränderungsprozessen leisten kann. Es ist 2020.