Overview

Nach langer Zeit kehrt Franz in seine Heimatstadt Klein-Reibach zurück, um mit seiner Blaskapelle zu spielen. Die große Jubiläumsfeier kommt. Aber er erfährt, dass seine Heimatstadt wegen des alten Damms, der kurz vor dem Platzen steht, in Gefahr ist. Um das Dorf zu retten, muss er sich gegen die anderen Bewohner auflehnen, die sich offenbar nicht um die entgegenkommende Gefahr kümmern. Ein Film in drei Akten.

  • Runtime: 19 minutes 6 seconds
  • Project Title (Original Language): Nach mir die Sintflut
  • Category: Fiction Short Films
  • Project type: Experimental, Short, Student
  • Genres: Satire, Comedy, environment, dark humor
  • Completion Date: July 31, 2019
  • Country of Origin: Germany
  • Country of Filming: Germany
  • Language: German
  • Aspect Ratio: 17 : 9
  • Film Color: Color
Christoph Hertel

Director Biography - Christoph Hertel

Christoph Hertel wurde am 2. August 1989 in Kronach geboren, wo er 2009 sein Abitur ablegte. Nach dem Zivildienst in Nürnberg folgte ein knapp einjähriges Praktikum an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Von 2011 bis 2015 dann Studium der Theater- und Medienwissenschaften sowie Kunstgeschichte (B.A.) an der Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 2014/15 wirkte Hertel als Assistent der Kuratorin bei der Ausstellung „What if“ des britischen Medienkünstlers Mark Leckey im Haus der Kunst in München mit. Im Oktober 2015 wechselte er an die Bauhaus-Universität Weimar, wo er soeben mit dem Film „Nach mir die Sintflut“ den Studiengang Medienkunst und -gestaltung mit dem Master of Fine Arts abgeschlossen hat.

Director Statement

Mit handgemachten Spezialeffekten versucht sich der melancholisch-groteske Film an einer theaterhaften Allegorie auf den menschlichen Umgang mit der bevorstehenden (Klima)-Katastrophe.

Schaut man Nach mir die Sintflut, stellt sich womöglich die Frage, was ein Karussell und eine Staumauer mit dem Weltuntergang zu tun haben. Die Mauer wird wohl brechen, so erfährt es der junge Franz, wenn nicht schnellstmöglich Wasser abgelassen wird. Das Problem ist nur, dass dann der notwendige Strom für das Karussell ausfallen würde. Niemand von den Alten im fiktiven Dorf Klein-Reibach kümmert sich also um die anschließenden Warnungen des Jungen. Das Karussell ist schließlich das wichtigste. So kommt es letztlich zum Eklat und es geschieht, was geschehen musste.

Der 25minütige Film ist in erster Linie also als Parabel zu verstehen. Auf den bevorstehenden Klimawandel und wie die Menschheit damit umgeht. Der Film versteht sich dabei aber nicht als Aufruf zum Handeln – dafür ist es womöglich ohnehin zu spät. Vielmehr beschreibt er auf ironische Weise die Unzulänglichkeiten der Menschen und setzt sich mit dem Paradoxon auseinander, warum diese so handeln wie sie handeln und sich unter Berufung aufs (wirtschaftliche) Überleben selbst ihre eigene Lebensgrundlage entziehen.

Nach mir die Sintflut ist kein klassischer Film. Es gibt kaum Schnitte, keine Nahaufnahmen, keine Action-Szenen. In Anlehnung an die Form des Bauerntheaters versucht die filmisch-theatrale Parabel das Dilemma der Menschen in wenigen statischen Kompositionen zu verhandeln. Kühl und distanziert blickt die Kamera auf die Figuren, die – hölzern und lethargisch – wie auf kleinen Bühnen agieren. Die Menschen werden verfremdet: Es geht diesem Anti-Heimatfilm nicht um die Kino-typische Dramatisierung einer Story zur Emotionalisierung eines Themas, sondern um Reflexion eines Abstrakten Sachverhaltes in der epischen Verfremdung.

Gleichzeitig ist Nach mir die Sintflut auch ein Anti-Katastrophenfilm: Bewusst wurden etwa sämtliche Spezialeffekte manuell gebaut – es gibt keine computergenerierten Animationen. Für das Schlussbild wurde am Ende sogar ein 3m breites und 1m hohes Modell einer Staumauer aus Beton gebaut, durch das eine mühsam errichtete Miniatur von Klein-Reibach mit 2,5t Wasser geflutet wurde. Es ging darum, die Zerstörung der Welt im Film vorweg zu nehmen. Immer im Bewusstsein: Am Ende kann man mit Kunst vielleicht doch nichts bewirken. Niemand wird wegen eines Films sein Leben umstellen. Und so bleibt das gesamte, energieaufwändige (alleine 1400€ für Treibstoff!) Unterfangen der Filmherstellung ein sinnloses Sich-an-der-Welt-abarbeiten. Für das Klima wäre es sicher besser gewesen, keinen Film zu machen. Und damit wäre das Dilemma des Mensch-Seins schon ganz gut beschrieben. Hoffen wir mit Blick auf die Zukunft also das Beste: The Show must go on…